Großes Geburtstagsfest im BücherWurmParadies
Mit regelmäßigen Veranstaltungen, Bücherflohmärkten, Buchankäufen für die Stadtbücherei und mit personeller Unterstützung während der Öffnungszeiten, ist der probiblio e.V. seit nunmehr zwei Jahrzehnten „mit Leidenschaft für die Stadtbücherei Niederkassel“ engagiert. Aber der Anlass für die Gründung von probiblio war unerfreulich. Die Stadt Niederkassel hatte schon vor 20 Jahren wenig Geld und wollte deshalb die Stadtbüchereien schließen. Detlef Auer, bis vor zwei Jahren erster Vorsitzender des Vereins und aktuell für die digitalen Aufgaben zuständig, erinnert sich im Gespräch mit Markus Thüren.
Wie habt ihr von den Schließungsabsichten erfahren?
Ich war damals sachkundiger Bürger im Jugendhilfeausschuss. Durch meine Teilnahme an den Fraktionssitzungen, habe ich bei den damaligen Haushaltsberatungen konkret von den Schließungsplänen gehört. Es kursierte aber schon länger in der Stadtgemeinschaft, dass zwei der damals fünf Standorte geschlossen werden sollten. In Ranzel haben sich erste BürgerInnen bereits versucht dagegen zu wehren und eine Bürgerinitiative gegründet. Daraus entwickelte sich der Verein, der schließlich am 30.8.2006 als Förderverein Büchereien Niederkassel e.V. in der Mondorfer Gaststätte „Hotel zur Börsch“ gegründet wurde.
Ihr wart sehr schnell erfolgreich. Wie habt ihr das hinbekommen?
Kurz nach der Gründung des Vereins war Mondorfer Herbstkirmes. Damals wurde ich durch meinen Nachbarn, er war bei „Mondorf aktiv“, der Werbegemeinschaft in Mondorf sehr engagiert, angesprochen. Er hat mir die Unterstützung der Werbegemeinschaft angeboten. Es wurde uns unentgeltlich ein Stand auf der Provinzialstraße angeboten. Drei Bäckereien (Hünten, Wolff & Nelles) haben uns mit einer Kuchen-, & Kaffeespenden unterstützt. Unser jüngstes Mitglied hatte die Idee, gebrauchte Bücher in diesem Stand zu verkaufen. Damit war für die nächsten Jahre unsere Einnahmequelle aus der Taufe gehoben.
Hattet ihr damit gerechnet?
Mit der Anschub-Unterstützung, hatte ich nicht gerechnet. Die Aktionen, die darauf folgten waren mit sehr viel Arbeit und zeitlichem Engagement verbunden.
Bücherspenden mussten eingesammelt, gesichtet, sortiert und zu den jeweiligen Ständen transportiert werden. Nicht verkaufbare Bücher mussten zur Entsorgung weggebracht werden. Personell hatten wir bei den Ständen UnterstützerInnen aus der Mitgliedschaft, die Vorarbeiten wurden meist durch die Vorstandsmitglieder erledigt. Glücklicherweise konnten wir im Lauf der Jahre fast schon einen festen Stand im Foyer des REWE Marktes in Ranzel etablieren. Dort konnten wir wetterunabhängig und mit ganz viel Laufkundschaft eine Menge gebrauchter Bücher verkaufen.
Ziel erreicht- Wie ging es dann weiter?
Alles ist im Fluss, wir hatten ein Etappenziel erreicht, die Bücherei-Standorte waren zunächst gesichert. Dafür mussten wir aber auch eine Kröte schlucken. So wurde eine Jahres- und Ausleihgebühr für Erwachsenenmedien eingeführt. Es war unser erklärtes Ziel, diese Ausleihgebühren wieder abschaffen zu können (mit der künftigen Gebührensatzung ist uns dies im Jahr 2026 endlich gelungen). Allerdings ließ unser Engagement so ab 2012 ziemlich nach. Wir wurden zu einem Mitgliederverwaltungsverein. Uns fehlten Ideen und natürlich auch die personellen Ressourcen, um größere Projekte stemmen zu können. Das sollte sich ab 2016 jedoch ändern. Ich bekam einen Anruf von einem bis dato „nur“ zahlenden Mitglied. Sie habe als Rentnerin Zeit, sich zu engagieren. Ein ausgesprochener Glücksfall für probiblio, denn sie hatte schon beruflich mit Literatur zu tun und war gut vernetzt. Mittlerweile ist Petra Vorsitzende und wir veranstalten pro Jahr 3 – 4 Lesungen mit teils sehr namhaften Autorinnen und Autoren. Diese werden gut besucht, was dazu führt, dass Monika, die sich neben der Protokollführung dem Catering verschrieben hat, dringend Unterstützung braucht. Insgesamt engagieren sich immer mehr Menschen für die Büchereien, um bspw. Lesungen für die Kleinsten anbieten zu können. Wir bieten aber auch Niederkasseler Autorinnen und Autoren eine Bühne, um ihre Werke bekannter zu machen oder sich gegenseitig kennen zu lernen und Netzwerke zu knüpfen. Mit unserem Kurzgeschichten-Wettbewerb, „Niederkassel schreibt“ möchten wir auch Menschen ansprechen, die vielleicht die Idee einer Geschichte im Kopf haben aber noch einen Anstoß benötigen, diese auch auf Papier zu bringen.
Vor 3 Jahren wurden drei Standorte geschlossen. Wie war das für Euch?
Es kam nicht ganz überraschend, denn die Stadt hatte eine Arbeitsgruppe zur Zukunft der Büchereien einberufen, an der wir als Förderverein teilnahmen. Wir konnten die dort getroffenen Entscheidungen mittragen, denn die drei verbleibenden Büchereien sollten attraktiver werden und würden mit den Standorten in Nord – Mitte – Süd auch für alle gut erreichbar sein. Zudem wurde mit Franziska Wiedenhöfer eine Bibliothekarin eingestellt, die für alle Standorte zuständig sein sollte. Es war von Modernisierung die Rede und insgesamt war trotz der geplanten Schließungen die Stimmung positiv. Kalt erwischt wurden wir jedoch von der kurz darauf folgenden Schließung des Standortes in Niederkassel. Damals diskutierten wir ernsthaft, ob wir als Verein weitermachen sollen. Aber wir dachten letztendlich: Zwei Büchereistandorte sind besser als keiner und unterstützen wo wir nur können, in enger Abstimmung mit dem Büchereiteam Franziska, Kerstin J. und Dorothee. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und vor allem auf Augenhöhe. Als Kassenwartin hat Helga unsere Vereinsfinanzen fest im Blick. In enger Abstimmung mit der Büchereileitung kann probiblio e.V. zielgenau bei der Beschaffung neuer Medien und Ausstattung unterstützen. Es ist uns wichtig, nicht nur Gelder bereit zu stellen, sondern auch immateriell zu unterstützen. Kerstin M., die wie ich seit zwanzig Jahren dabei ist, ist inzwischen Weltmeisterin im Zelte aufbauen und am Bücherverkaufsstand. Aber Fakt ist, dass wir nicht genug Leute im Vorstand sind, um alle Pläne umsetzen zu können. Deshalb suchen wir engagierte Menschen, die bereit sind, sich in ihrer Freizeit zu engagieren, um – wie im letzten Jahr geschehen – , bei der Digitalisierung zu helfen oder Sarah bei der Pflege unserer Social-Media Auftritte zu unterstützen. Dazu ist nicht unbedingt eine Vereinsmitgliedschaft nötig, aber viel Leidenschaft für die Stadtbücherei. Wir organisieren Urlaubs- und Ausfallvertretungen um die Bücherei-Standorte offen zu halten. Unabhängig von probiblio hat sich um jeden Büchereistandort herum eine Helfer-Infrastruktur entwickelt vom Einräumen der zurückgegeben Leihbücher bis hin zum Gärtnern im BücherWurmParadies – dem Garten hinter der Bücherei Mondorf. Das ist Martinas liebstes Thema. Sie kümmert sich um den Garten und koordiniert das Team von Freiwilligen, das ihn betreut.
Wie geht es weiter, wo seht ihr euch in Zukunft?
Ein Blick in die Glaskugel ist natürlich immer schwer, ich möchte die Frage eher nutzen, neue Ziele abzustecken. Wir konnten uns als verlässlicher Partner für die Stadtbücherei und für die Stadtgesellschaft etablieren. Dies kann und muss in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden, damit die Büchereien zu noch attraktiveren Orten für Kinder und Erwachsene werden. Orte, an denen man sich trifft, Medien ausleiht, Dinge erforscht, sich austauscht, spannende Veranstaltungen erlebt und füreinander da ist. Seit etwas über einem Jahr haben wir mit Charlotte und Ronja zwei engagierte Jugendliche an unserer Seite, aber probiblio muss sich in den nächsten Jahren weiter verjüngen. Ich habe den Verein nun 20 Jahre geführt, davon 18 Jahre als Vorsitzender. Ab 2027 werde ich mich einer neuen Aufgabe, außerhalb von probiblio widmen. Ich stehe dem Verein gerne weiter beratend zur Seite. Ganz leicht fällt mir das nicht, aber ich verlasse einen gut aufgestellten Vorstand. Ich bin sicher, dass wir bei der nächsten Mitgliederversammlung im November weitere UnterstützerInnen finden. Büchereien haben das Potenzial, eine Gesellschaft zu bereichern und zusammen zu halten. Das ist aber kein Selbstläufer und bedarf immer auch Menschen, die sich engagieren und frischen Wind und neue Ideen einbringen und natürlich auch umsetzen. Wir sind offen für neue Vorschläge und bereit, auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen. Es bleibt also noch eine Menge zu tun, mit viel Freude und gemeinsam ist es erreichbar.
Aber jetzt wollen wir erst Mal feiern. Am 30.August laden wir ab 15:00 Uhr ins BücherWurmParadies nach Mondorf ein und bieten ein attraktives Programm für Groß und Klein. Details folgen, der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Mit Leidenschaft für die Stadtbücherei
langjähriger Vorsitzender und Gründungsmitglied von probiblio e.V.

Fachbereichsleiter FB 10 (u.a. zuständig für die Stadtbücherei)
